
Scooter, Smart Rings & Co.: Diese Produkte versagen in der Garantiezeit
E-Scooter, Smart Rings, Hoverboards, aber auch Kaffeemaschinen oder Roboter-Staubsauger gehen zurzeit besonders oft in der Gewährleistungs- bzw. Garantiefrist kaputt. Galaxus und Digitec legen die Zahlen offen – und erklären die Hintergründe.
Jeder Garantiefall ist eine Enttäuschung. Egal, ob ein Haushaltsgerät betroffen ist, ein Kleidungsstück oder ein Sportartikel – man hat Geld dafür ausgegeben und erwartet, dass das Produkt zuverlässig seinen Zweck erfüllt. Selbst wenn Hersteller oder Händler das Problem anstandslos lösen, bleibt oft ein bitterer Nachgeschmack. Etwa wegen des Zeitaufwands, oder weil man während der gesetzlichen Gewährleistung oder der zusätzlichen Garantie auf den Gegenstand verzichten muss.
Galaxus und Digitec legen deshalb seit Anfang 2023 die Quoten für Gewährleistungs- bzw. Garantiefälle ihres Sortiments offen.
Eine Auswertung der Daten von Februar 2023 bis März 2025 zeigt nun, dass im Schnitt knapp 1 von 200 bei Galaxus oder Digitec gekauften Produkten innerhalb der zweijährigen Frist zum Garantiefall wird. In Zahlen: 0,48 Prozent. Doch nicht alle Produktgattungen gehen gleich oft in der Garantie kaputt: Besonders häufig machen Haushaltgeräte Ärger – betroffen ist jedes hundertste Gerät. Es folgen Handys und sonstige mobile Geräte wie Smart Watches oder Tablets, sowie Unterhaltungselektronik und IT-Produkte. Sie weisen Garantiefallquoten von je gut 0,8 Prozent aus.
Es zeigt sich ein einfaches Muster: Je mehr Technik in ein Produkt verbaut ist, desto fehleranfälliger ist dieses. Auch erhöhen der Kontakt mit Flüssigkeiten sowie bewegliche Teile die Garantiefallquote. Logisch also, dass eine Packung Gummibärchen, ein Kugelschreiber, ein Lippenstift oder ein Buch kaum zum Garantiefall werden.
Hingegen werden fast 7 von 100 E-Scootern innerhalb von zwei Jahren zum Garantiefall, sowie 6 von 100 Smart Rings und 5 von 100 Hoverboards. Weit oben auf der Flop-Liste befinden sich zudem Kaffeemaschinen (Vollautomaten und Siebträger), Whirlpools und 3D-Drucker.
E-Scooter: Tod durch Pflasterstein
Die hohen Garantiefallquoten von E-Scootern und Hoverboards erklärt sich Bonke Bruhn vor allem dadurch, dass sie auf Wegen zum Einsatz kommen, für die sie nicht entwickelt wurden: «Schotterstraßen, Pflastersteine, Schlamm, Wiesen oder Sand sind für E-Scooter und Hoverboards tödlich», sagt Bonke, der bei Galaxus und Digitec fürs E-Mobilitäts-Sortiment verantwortlich ist. «Ich denke deshalb nicht, dass die Garantiefallquoten jemals sinken werden. Es handelt sich um Produkte mit viel Technik, die der Witterung ausgesetzt sind und die obendrein viele Verschleissteile haben.»
Auch wüssten nur wenige, wie man die Geräte ordentlich wartet. «Und obendrein fahren viele damit so, als wären sie bei Mario Kart mit dem Sternchen unterwegs.» Wobei E-Scooter häufig auch zu zweit genutzt würden, obwohl das maximale Fahrergewicht in der Regel bei 100 bis 120 Kilogramm liege. «Wird dieses Gewicht überschritten, leiden Motor, Rahmen und Federung.» Das würde die Garantie zwar ausschließen, ist aber kaum nachzuweisen. Daher zeigen sich die Hersteller in der Regel kulant.
Smart Rings: Kinderkrankheiten bei der ersten Generation
Auf Platz Zwei der Dinge, die am häufigsten zum Garantiefall werden, folgen Smart Rings. Smart Rings besitzen Sensoren, mit denen sie z.B. den Herzschlag, die Schrittzahl oder die Schlafqualität messen. Mit einigen Modellen kann man zudem wie mit einem Smartphone kontaktlos bezahlen.
«Wir sprechen bei Smart Rings von Produkten der ersten Generation», sagt Andrea Fricke, die bei Galaxus das Mobile-Sortiment verantwortet. «Wir haben diese seit Mai 2024 in unserem Sortiment.» Andrea geht davon aus, dass sich das Bild schon bald ändern wird: «Die Ringe der Marke Ultrahuman hatten bis im letzten Dezember Probleme mit dem Akku und der Bluetooth-Verbindung zum Smartphone. Diese sind gemäß Hersteller behoben, die Garantiefallquote sollte sich nun also verbessern.» Inzwischen seien zudem mit der vierten Generation von Oura die Ringe des etabliertesten Herstellers bei Galaxus und Digitec erhältlich.
Kaffeemaschinen: Kalk als größter Feind
Bei den Kaffeemaschinen ist laut Category Development Manager Dominic Espinoza Yengle vor allem der Kalk der Bösewicht: «Ohne Entkalken und Rückspülen kommt bei Vollautomaten und Siebträgermaschinen über die Zeit immer weniger Kaffee raus.» Außerdem könne sich dadurch der Geschmack des Kaffees verändern. Auch hier sind also oft Anwenderfehler der Grund für die hohe Garantiefallquote, die Hersteller und deren Service-Center drücken aber oft ein Auge zu. «Das ist aber bei weitem nicht immer der Fall: Wer eine verkalkte Maschine als Garantiefall einschickt, muss damit rechnen, dass die Reparatur etwas kostet.»
Kaffeemaschinen sind zudem häufig täglich im Einsatz, manchmal mehrfach. Das führt zu einem hohen Verschleiß von Pumpen, Ventilen und Mahlwerken. In günstigeren Modellen sind zudem Teile mit geringerer Lebensdauer verbaut.
Whirlpool: ausgeblubbert wegen undichter Stellen
Whirlpools haben unter anderem aufgrund der starken Belastung eine hohe Garantiefallquote: So laufen Wasser- und Luftdüsenpumpen mit viel Druck und oft über längere Zeit. Whirlpools bestehen zudem aus vielen Verbindungsstellen (Schläuche, Rohre, Düsen), die durch Wasser, Hitze und Chemikalien schnell porös oder undicht werden können, weiß Portfolio Development Managerin Irina Ignatova. Und bei aufblasbaren und entsprechend günstigen Whirlpools kann der Kunststoff durch die ständige Belastung sowie durchs Sonnenlicht spröde werden und reißen.
In elektronischen Steuerungen und Displays kommt es durch die ständige Feuchtigkeit zudem ab und an zu Kurzschlüssen oder Fehlfunktionen. Und wie bei den Kaffeemaschinen führt hartes Wasser zu Kalkablagerungen in den Leitungen, Pumpen und Heizsystemen, was deren Lebensdauer verkürzt.
3D-Drucker: defekt durch No-name-Filamente
Auch 3D-Drucker sind heikel: 4,46 Prozent aller Geräte gehen in der zweijährigen Garantielaufzeit kaputt. «Je mehr Technik in einem Gerät steckt, desto mehr kann kaputtgehen», sagt Category Business Manager Tom Cikursch. «3D-Drucker haben viele bewegliche Teile, sie müssen starken Temperaturschwankungen und Vibrationen standhalten, plus das Filament kann verstopfen – besonders wenn billiges No-name-Material verwendet wird.»
Roboter-Staubsauger: an den Haaren verschluckt
Fehler Nummer eins bei den Roboter-Staubsaugern ist die fehlende Reinigung der Geräte, wie Galaxus-Redaktor Simon Balissat beim Besuch im Schweizer Service-Center der Firma iRobot herausgefunden hat. Demnach machen Haare, die sich um Bürste oder Räder wickeln, sowie schlecht gereinigte Kontakte am Roboter oder an der Ladestation den größten Anteil der Garantiefälle aus. Ist ein Kontakt verschmutzt, so lädt der Roboter nicht. Und sind Bürsten oder Räder blockiert, kann der Motor Schaden nehmen.
Apps und Handbücher weisen zwar auf diese Schwachstellen hin, das werde von der Kundschaft aber oft ignoriert, heißt es bei iRobot. Das bestätigt auf Anfrage auch ein Vertreter von Dreame, der aktuell größten Marke für Roboter-Staubsauger. Immerhin: Die Hersteller bzw. Service-Center zeigen sich in der Regel kulant, auch wenn Defekte auf falsche Bedienung zurückzuführen sind.
Und dann gibt es natürlich auch noch Fälle, bei denen sich die Technik des Roboters verabschiedet. «Roboter-Staubsauger sind komplexe Geräte mit Lidar- oder Kamerasensoren und hochintelligenter Software. Entsprechend sind sie um ein Vielfaches fehleranfälliger als klassische Staubsauger», sagt Sina Milanesi, die bei Galaxus und Digitec unter anderem fürs Staubsauger-Sortiment verantwortlich ist. Besonders hoch sei die Garantiefallquote bei den Saugwischrobotern mit Wassertank, weil Kalk die Düsen verstopft.
Fazit: Technik ist anfällig – und Wartung entscheidend
Die Daten zeigen: Je mehr Technik in einem Produkt steckt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Gewährleistungs- oder Garantiezeit kaputtgeht. Besonders betroffen sind Geräte mit vielen beweglichen Teilen, Elektronik und Flüssigkeiten.
Doch nicht immer liegt es an der Qualität der Produkte selbst. Oft sind es falsche Nutzung, mangelnde Wartung oder unrealistische Erwartungen, die die Lebensdauer verkürzen. Kalk setzt Kaffeemaschinen zu, E-Scooter leiden unter Schotterstraßen, und Roboter-Staubsauger verschlucken sich an Haaren. Gleichzeitig gibt es aber auch Produktkategorien wie Smart Rings, die sich als noch nicht ausgereift erweisen und bei denen sich die Garantiefallquoten hoffentlich mit der nächsten Generation verbessern werden.
Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das: Ein bewusster Umgang mit der Technik kann viele Probleme verhindern. Und für Hersteller und Händler ist es eine Herausforderung, Produkte robuster zu machen – oder zumindest die Nutzer besser über Pflege und richtige Anwendung aufzuklären. Denn letztlich ist jeder Garantiefall nicht nur ärgerlich für die Kundschaft, sondern auch ein ökologischer und wirtschaftlicher Verlust.
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Ich bin bei Galaxus und digitec zuständig für den Austausch mit Journalistinnen und Bloggern. Gute Geschichten sind meine Leidenschaft, deshalb bin ich immer auf dem neusten Stand.