Ratgeber

Schmerzmittel Aspirin? Warum viele Acetylsalicylsäure falsch einsetzen

Anna Sandner
15.5.2023

Als Schmerzmittel ist es eigentlich gar nicht so gut geeignet, hat dafür aber noch andere hilfreiche Eigenschaften: Aspirin wirkt blutverdünnend und kann im richtigen Moment sogar lebensrettend sein. Was du über die Acetylsalicylsäure (ASS) wissen solltest.

Du hast sicherlich auch nicht nur einmal in deinem Leben eine Aspirintablette gegen Schmerzen genommen, stimmt’s? Schließlich sind die kleinen weißen Pillen wohl das bekannteste Schmerzmittel schlechthin. Doch eigentlich gibt es geeignetere Mittel, wenn was weh tut, denn Aspirin ist in erster Linie ein Blutverdünner. Dadurch kann es zwar durchaus gegen Kopfschmerzen helfen, allerdings auch auf Dauer deinem Magen schaden.

Aber von vorne: Von der Weidenrinde zu Acetylsalicylsäure (ASS)

«Aspirin» ist eigentlich nur ein Markenname, der ursprünglich von der Bayer AG im Jahr 1899 für Acetylsalicylsäure (ASS) registriert wurde. Zu dieser Zeit war das Medikament bereits auf dem Markt und hatte seinen Siegeszug als Schmerzmittel angetreten. Der Name «Aspirin» leitet sich von der alten Bezeichnungen für Acetylsalicylsäure («Acetylspirsäure») ab, die auf die Weidenrinde als ursprüngliche Quelle des Wirkstoffs hinweist.

In Weidenrinde ist Salicin enthalten, das im Körper zu Salicylsäure umgewandelt wird. Die schmerzlindernden und fiebersenkenden Eigenschaften von Weidenrinde waren schon in der Antike bekannt. Heute wird Salicylsäure synthetisch hergestellt und dann zu Acetylsalicylsäure modifiziert. Das ermöglicht eine genauere Dosierung und eine bessere Verträglichkeit als die Verwendung von Weidenrinde beziehungsweise Salicylsäure.

Das wohl bekannteste Schmerzmittel der Welt bleibt nicht ohne Nebenwirkungen

Zwar hat die Bayer AG bis heute den Namen Aspirin geschützt, doch das Patent auf Acetylsalicylsäure ist schon lange nicht mehr in Kraft – sodass es heute eine Reihe an Generika-Produkten mit ASS unter anderem Namen gibt. Trotzdem erwirtschaftet Bayer noch heute in Deutschland und der Schweiz einen Jahresumsatz von mehreren hundert Millionen Euro mit Aspirin.

Noch beliebter ist das Medikament in den USA. Wer kennt nicht die riesigen Dosen voller Tabletten, die scheinbar in jedem amerikanischen Badezimmerschrank stehen und aus denen sich prophylaktisch morgens zum Frühstück eine genehmigt wird. Denn dort wird ASS weniger zur Schmerzbehandlung, sondern häufiger zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt, insbesondere bei Menschen mit einem höheren Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Diese Anwendung von Aspirin ist jedoch umstritten, denn häufig eingenommen kann ASS den Magen-Darm-Trakt reizen und zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und sogar Magengeschwüren führen.

Alternative Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen helfen ähnlich oder auch besser als Aspirin bei Schmerzen, sind aber häufig leichter verträglich und haben weniger oder andere Nebenwirkungen. Auch hier solltest du dichaber natürlich erst einmal informieren und nie die empfohlenen Höchstdosen überschreiten.

Wann Aspirin Leben retten kann

Dauerhaft zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist der Einsatz von ASS also weniger empfehlenswert. Als Blutverdünner kann Aspirin jedoch in bestimmten Situationen sogar Leben retten: In der medizinischen Notfallversorgung wird ASS häufig zur akuten Behandlung von Schlaganfällen und Herzinfarkten eingesetzt. Medizinisches Personal spritzt das Medikament dann direkt in den Blutkreislauf, damit es schneller wirkt. Die blutverdünnende Wirkung kann dazu beitragen, dass sich Blutgerinnsel auflösen oder die Entstehung neuer Blutgerinnsel verhindert wird.

Trotzdem solltest du in einem derartigen Fall nicht selbst zur Tablette greifen. Einerseits ist die Wirkung im Vergleich zur intravenösen Gabe der Notfallärztin oder -arztes verzögert, andererseits sollte Aspirin nicht bei allen Patienten mit Schlaganfall oder Herzinfarkt eingesetzt werden. Insbesondere bei Menschen mit einer bekannten Aspirin-Allergie, Magen-Darm-Geschwüren oder Blutungsstörungen kann ASS schwerwiegende gesundheitliche Komplikationen, wie allergische Reaktionen oder innere Blutungen verursachen.

Kein ASS vor einer Operation

So hilfreich die blutverdünnende Wirkung in manchen Fällen sein kann, so ungünstig kann sie sich jedoch bei einer Operation auswirken. Denn dann ist es wichtig, den Blutverlust möglichst gering zu halten und eine funktionierende Blutgerinnung ist dafür essentiell. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) empfiehlt deshalb, dass Patienten, die regelmäßig Aspirin einnehmen, diese Einnahme spätestens sieben Tage vor einer Operation absetzen sollten, um das Risiko von Blutungen während oder nach der Operation zu verringern. Grundsätzlich gilt dabei immer: Da jeder Mensch individuell auf Medikamente reagiert und es bei verschiedenen Medikamenten zu Wechselwirkungen kommen kann, solltest du diese Fragen immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen.

ASS gegen Krebs: Was kann Aspirin noch?

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Aspirin in der Lage ist, Krebszellen abzutöten und das Wachstum von Tumoren zu hemmen. 2021 veröffentlichte beispielsweise ein chinesisches Forschungsteam eine Metastudie zur Wirkung von Aspirin in der Prävention und Behandlung von Krebs, in der sie zu dem Schluss kommen, dass die regelmäßige Einnahme von Aspirin das Risiko für Dickdarm- und Gallengangkrebs verringern kann und zu einer besseren Überlebensrate beiträgt. Aspirin könnte somit eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Krebs spielen.

Titelfoto: Dan Smedley/Unsplash

33 Personen gefällt dieser Artikel


Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

  • Ratgeber

    Hypertonie adé: So lenkst du deinen Blutdruck in ruhigere Bahnen

    von Anna Sandner

  • Ratgeber

    Ist grüner Tee wirklich ein gesundheitsförderndes Wundermittel?

    von Anna Sandner

  • Ratgeber

    Achtung, Paranuss-Fans: Die strahlende Schattenseite der Selen-Bombe

    von Anna Sandner

12 Kommentare

Avatar
later