Amazon
News & Trends

Aus «Alexa» wird «Alexa+». Das macht dann 20 Dollar pro Monat, bitte!

Nicht weniger als dein «neuer bester Freund in der digitalen Welt» soll die neue Alexa-Version werden. Als solchen jedenfalls stellte Amazon jetzt die neue KI-Version des Sprachassistenten vor.

Gerüchte gibt es bereits seit gut einem halben Jahr: Die seit 2014 im Prinzip auf gleichem (schlechten) Niveau verharrende Alexa soll besser werden. Mit KI soll sie zu einem Helfer werden, der so tolle Dinge kann, dass du dafür bezahlst. Oder wie es in der offiziellen Medienmitteilung heisst:

Alexa+ is more conversational, smarter, personalized — and she helps you get things done. She keeps you entertained, helps you learn, keeps you organized, summarizes complex topics, and can converse about virtually anything.

Vor ein paar Hundert Journalistinnen und Journalisten hat Amazon in New York Beispiele dafür gezeigt. Alexa soll sich vergangene Konversationen merken und auf Informationen daraus zurückgreifen können. Hat sie Zugriff auf deinen Kalender, deine E-Mails oder die Aufnahmen der Überwachungskamera, soll sie auf komplexe Fragen antworten können. Ein Beispiel ist im Werbevideo zu sehen: Da fragt der Familienvater Alexa, ob jemand heute schon mit dem Hund draussen war. Alexa durchsucht daraufhin offensichtlich die Videos und kann bestätigen, dass der Sohn ihn Gassi geführt hat.

Offene Schnittstellen, viele Partner

Amazon erlaubt es anderen Firmen, auf die Alexa-API zuzugreifen. So ist es möglich, dass – wie bisher auch schon – per Sprachbefehl der Roboterstaubsauger losgeschickt oder die Hue-Beleuchtung eingeschaltet werden kann. Ob solche Anwendungsfälle mit Alexa+ noch smarter gestaltet werden können?

Interessanter dürfte sein, wie gut die 50 Anwendungen funktionieren, die Amazon zum Start von Alexa+ zum Ausprobieren empfiehlt. Ich finde es spannend, dass Routinen künftig per Sprachbefehl programmiert werden können. Auch als eine Art zweites Gehirn soll die neue Alexa dienen, indem sie sich Dinge merkt, die ich zu oft vergesse. Was war nochmal meine Mitgliedsnummer fürs Vielfliegerprogramm? Welche der Kolleginnen war noch gleich die mit der Nussallergie? Der Flyer zur Schultheateraufführung ist da – Abfotografieren mit dem Smartphone genügt und Alexa erstellt einen Termin im Kalender.

Die Macht der Daten

Die Beispiele zeigen, dass auch die neue Alexa vor allem eines braucht: viele, viele deiner Daten. Sie ist umso nützlicher, je mehr Informationen du preisgibst. Seien es deine Fotos, deine Mails oder der Standortverlauf von Google Maps. Um unterschiedliche Personen im Haushalt zu erkennen, werden Sprachprofile nötig. Vorlieben bei TV-Serien, Podcasts, Musik – all das will Amazon von dir wissen.

Das ist keineswegs ein Thema, das nur Amazon betrifft. KI-Anwendungen von anderen Firmen werden sich ebenso mit der Frage beschäftigen müssen, wie sie mit den Informationen ihrer Nutzerinnen und Nutzer umgehen. Und wie sie diese dazu bekommen, möglichst viele davon mit ihnen zu teilen.

Start in den USA im März

Verfügbar ist die neue Alexa ab März, zunächst aber nur in den USA. In einem Bloomberg-Interview erklärt Amazon-Manager Panos Panay, dass weitere Länder «kurz danach» folgen sollen. Er verweist allerdings darauf, dass es gewisse Sprachen gibt, die anspruchsvoller sind und deshalb später kommen könnten. Vermutlich ist Schweizerdeutsch also nicht in der ersten Welle verfügbar.

Erst einmal keine neue Hardware

Es war überraschend, dass Amazon keine neuen Hardware-Produkte vorgestellt hat. Alexa+ soll auf bestehenden Echo-Geräten funktionieren und die Informationen also schnell genug über die Cloud verarbeiten und abrufen können. Reine Echo-Lautsprecher ohne Bildschirm sind aussen vor. Was sinnvoll erscheint, denn bei der Ticketbuchung will ich schliesslich wissen, wo der gebuchte Sitzplatz wäre. Auch intelligente To-Do- oder Einkaufslisten sind visuell schneller zu erfassen. Alexa+ läuft gemäss Amazon auf allen Echo Show 8, 10, 15, und 21.

Amazon Echo Show 8 (3. Gen. 2023) (Amazon Alexa)
Smart Speaker
EUR169,99

Amazon Echo Show 8 (3. Gen. 2023)

Amazon Alexa

Amazon Echo Show 15 (2. Gen), weiss (Amazon Alexa)
Smart Speaker
EUR336,59

Amazon Echo Show 15 (2. Gen), weiss

Amazon Alexa

Der Preis …

… hat es in sich. 19,99 US-Dollar kostet Alexa+ pro Monat. Preise für andere Länder gibt es noch nicht. Bei knapp 240 US-Dollar pro Jahr dürfte es für Viele attraktiver sein, sich für die Amazon-Prime-Mitgliedschaft zu entscheiden. Diese kostet «nur» 139 US-Dollar, die Nutzung der neuen Alexa ist dann bereits ohne Aufpreis inklusive.

Amazon hat keine bahnbrechenden neuen Dinge vorgestellt. Alle Anwendungen sind heute schon mit den KI-Tools anderer Anbieter möglich. Entscheidend dürfte sein, wie einfach, wie zugänglich und wie natürlich es sich anfühlt, die neue Alexa als hilfreiche Freundin zu nutzen. Bei 600 Millionen Alexa-fähigen Devices auf der Welt wäre das dann wohl der KI-Durchbruch im Alltag.

Titelbild: Amazon

21 Personen gefällt dieser Artikel


Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

  • Hintergrund

    «Apply Thru»: McDonald's nächster Schritt in Richtung Vollautomatisierung

    von Raphael Knecht

  • Hinter den Kulissen

    KI ist Everybody's Darling: Produktverkäufe um 24 % gestiegen

    von Daniel Borchers

  • News & Trends

    Hype-Firma Humane macht dicht, HP kauft die Reste

    von Samuel Buchmann

Kommentare

Avatar