

Amazfit GTR im Test: Halbe Smartwatch mit langer Akkulaufzeit
Der Akku der Amazfit GTR hält sehr lange, aber du kannst mit der Smartwatch weder bezahlen noch neue Apps installieren.
GPS, Pulsmessung und ständig Benachrichtigungen vom Smartphone: Die Amazfit GTR hat viele Gelegenheiten ihren Akku zu leeren. Unterwegs bezahlen kannst du mit der Smartwatch allerdings nicht und auch die Installation weiterer Apps ist nicht vorgesehen.
Vier Gehäusematerialien und ein schönes Display
Amazfit bietet die GTR aktuell in acht Ausführungen an. Mir stand die größere Ausführung mit 47 Millimeter Durchmesser und einem Edelstahlgehäuse zur Verfügung. Andere Versionen bestehen aus Aluminium, Kunststoff und Keramik. Das Lederarmband aus dem Lieferumfang lädt nicht dazu ein, sie als Sportuhr zu benutzen. Es lässt sich aber ohne Werkzeug wechseln und gegen andere Armbänder mit dem weit verbreiteten 22-Millimeter-Anschluss tauschen.

Bei mir sitzt die Amazfit GTR bequem und ist angenehm zu tragen. Vor dem Anlegen wirkt sie groß und klobig, aber am Handgelenk verschwindet dieser Eindruck. Das Erscheinungsbild der Uhr kannst du ganz nach deinem Geschmack gestalten. In der Amazfit-App stehen unzählige Zifferblätter zur Auswahl.
Das AMOLED-Display ist mir mit seinem Durchmesser von 1,39 Zoll groß genug. Die Auflösung von 454×454 Pixeln sorgt bei dem AMOLED-Display für ein gestochen scharfes Bild. Die Farben sind kräftig und die hohe Helligkeit sorgt dafür, dass der Bildschirminhalt theoretisch in der Sonne gut zu erkennen sein könnte. Allerdings spiegelt die Oberfläche so sehr, dass es angenehmer ist die Smartwatch in einen Schatten zu halten.

Die Bedienung erfolgt größtenteils über den Touchscreen. Du wischst und tippst auf ihm herum. Eine Anleitung ist hierfür nicht nötig. Nach kurzem Ausprobieren sind alle Gesten erkundet. Die einzelnen Apps sind untereinander aufgelistet. Die zwei Tasten an der rechten Seite haben eher seltener gebrauchte Aktionen. Mit der oberen weckst du die Uhr auf, wobei in der Regel die Bewegung des Handgelenks ausreicht, wenn du auf die Uhr schaust. Mit der Taste kommst du ansonsten immer auf die Startseite zurück und kannst durch langes gedrückt halten, die GTR ausschalten. Die untere Taste ruft die Liste der zur Auswahl stehenden Sportarten auf.

Amazfit zufolge kommt in der GTR ein Chipsatz mit geringem Stromverbrauch zum Einsatz, der zusammen mit der übrigen Hardware eine Akkulaufzeit von bis zu drei Wochen ermögliche. So lange konnte die Smartwatch aber meinen täglichen Begleiter vom Handgelenk nicht verdrängen.In den fünf Tagen hat sie etwa fünf Prozent Batterieladung pro Tag verbraucht. Hochgerechnet komme ich damit sehr nah an die in Aussicht gestellten drei Wochen heran. Bei vielen anderen Smartwatches sind dagegen selbst drei Tage utopisch.

Eine App, die viele Daten sammelt und anzeigt
Die Amazfit GTR hat GPS und Pulsmessung an Bord und nutzt deren Daten unter anderem beim Sport-Tracking. Zwölf Sportarten wie Joggen, Radfahren, Wandern, Klettern, Skifahren oder Schwimmen – das Gehäuse soll bis zu einer Tiefe von 50 Metern wasserdicht sein – stehen zur Auswahl.

Während die Pulsmessung kontinuierlich läuft, schaltet sich das GPS nur bei einigen der Sportarten an. Dass bedeutet für dich mitunter eine Wartezeit von mehreren Minuten, bis die Standortermittlung erfolgt ist. Unterwegs kann es zu Aussetzern kommen. Bei mir hat die Uhr im Testzeitraum keine Radfahrstrecke ohne Lücken erfasst.
Die Software kann Aktivitäten automatisch erkennen. Ab Werk allerdings nur langsame und schnellere Spaziergänge. Weitere Bewegungsarten musst du der Uhr beibringen, hast dann aber freie Wahl und im Idealfall erkennt sie Badminton, Basketball oder sogar Zähneputzen automatisch.

Ist die Amazfit GTR per Bluetooth mit deinem Smartphone verbunden, kannst du die Musikwiedergabe über die Smartwatch steuern. Sollen die Benachrichtigungen einer App auf dem Display am Handgelenk erscheinen, musst du sie in der Amazfit App (Android / iOS) für jede App händisch freigeben.

Auf der Uhr und in der App zeigt Amazfit dir deinen PAI-Wert an. Die Abkürzung steht für «Personal Activity Intelligence». Dahinter verbirgt sich ein Indikator für deine Aktivität, der Herzfrequenzdaten noch aussagekräftiger machen soll. 2017 hat der damalige Wearable-Hersteller «Mio» ihn eingeführt und bietet ihn inzwischen auch anderen Firmen zur Nutzung an. Den Wert über 100 zu halten soll das Risiko für Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes senken. Trägst du die Uhr nicht oder bist zu wenig aktiv, sinkt der PAI-Wert. Bei mir ist er noch nicht zu einem Motivationsfaktor geworden. Als Gewohnheitstier zähle ich immer noch Schritte und schaue auf die verbrauchten Kalorien. Das Angebot die App mit unzähligen Daten zu meinem Körper – von Brust- bis Wadenumfang – zu füttern, habe ich nicht angenommen.

Einige Dinge vermisse ich bei der Amazfit GTR, ohne die ich sie nicht als vollwertige Smartwatch sehen kann. Du kannst keine weiteren Apps installieren. Es gibt keinen App Store, keine Sprachsteuerung und keine Möglichkeit drahtlos mit der Smartwatch zu bezahlen. Zudem kannst du keine E-Mails lesen, geschweige denn direkt löschen, wenn sie unwichtig sind. Auf dem AMOLED-Display siehst du nur den Text, der auf deinem Smartphone in der Benachrichtigung zu sehen ist. Weitere Aktionen sind nicht möglich. Ich will auf der Smartwatch gar keine Romane schreiben, aber eine kurze Reaktionsmöglichkeit im Messenger wäre oft hilfreich. Anrufe kannst du am Handgelenk zwar ablehnen, aber nicht annehmen.
Fazit: Die halbe Smartwatch mit lange Akkulaufzeit
Die Amazfit GTR ist eine günstige Smartwatch, die vor allem mit einer langen Akkulaufzeit überzeugt. Sie sitzt angenehm am Handgelenk, hat ein gutes Display und eine Bedienung, die du auch ohne Anleitung schnell erlernst. Allerdings ist sie mir nicht smart genug – vor allem im Vergleich zur Apple Watch und den Modellen mit WearOS. Als Sportuhr ist die GTR noch passabel, bietet mir aber zu wenig Möglichkeiten vom Handgelenk mit meinem Smartphone zu interagieren.

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Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.